releasealbum story - Band THE EYE

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"FLOOR"
upcoming album release date 10.12.2017

 
 


Es war einer der typischen grauen Tage in dieser Landschaft, weit ab vom pulsierendem Leben.
Die wenigen verbliebenen Menschen in ihren stattlichen Anwesen lebten zurückgezogen
auf großen Ländereien, von Wäldern, Mooren und endlosen Heideflächen umgeben.
Hier war die Zeit stehen geblieben, erstarrt in der Landschaft und den verbliebenen.
Man pflegte keinen Kontakt untereinander,
eine eventuelle Begegnung wurde mit kurzem Kopfnicken abgetan.
Was die wenigen Menschen hier verbannt war ein taubstummer Fahrer eines klapprigen
Lieferwagens, der jeden Dienstag von Haus zu Haus fuhr, Lebensmittel und Post auslieferte.
Die Ware lag in alten Holzstiegen, ein Bändchen an der Seite den Besitzer kennzeichnete.
Er stellte sie nur vor die Tür und nahm dort eine andere Stiege im Austausch mit,
in ihr ein Umschlag mit Geld und der nächsten Bestellung.

An der letzten Lieferstelle enthielt diese Austauschkiste mit dem Umschlag auch eine kleine
Holzschatulle. Verwundert sah der junge Mann sich um, starrte auf Eingangstür und Fenster
des mächtigen Gebäudes. Er setzte sich auf die breite Steintreppe und öffnete das
schmucklose Kästchen. Ein verrosteter Stahlring hielt große schwere Schlüssel zusammen,
am Boden der Schachtel ein vergilbtes Blatt Papier mit einer Bleistiftzeichnung, einer Art Karte.
Er erkannte markante Punkte dieser Umgebung wieder.
Ein eingezeichneter Kreis markierte seinen jetzigen Standpunkt, das Haus, auf dessen Treppe
er gerade saß. Eine etwas dickere Linie zerschnitt die bekannten Wege dieser Landschaft,
deren Bewohner er nie zu Gesicht bekam und mündete an einer zweiten Markierung,
etwas außerhalb der von ihn schon Jahre befahrenen Wege.

Die Zeichnung im Blickfeld folgte er der Spur, der Wald zunehmend immer dichter wurde.
Die Umgebung war ihn völlig fremd, immer schmaler der Weg wurde,
ein voran kommen mit dem Lieferwagen nicht mehr möglich war.
Er griff nach den Papier auf dem Armaturenbrett, nahm die Schlüssel aus dem Kästchen,
das auf dem Beifahrersitz lag und verlies das ächzende Vehikel.
Mit langsamen Schritten folgte er den gezeichneten Weg,
das Gras und Gestrüpp wurde mit jedem Meter höher, reichte zuletzt bis an die Schultern.
In der Ferne zeichneten sich Umrisse eines Gemäuer ab,
mit jedem Schritt die Konturen deutlicher wurden.

Wie versteinert stand er auf einer vom Nebel eingehüllten Lichtung,  
die Augen auf einer großen alten Villa gerichtet. Die ewig gefühlte Einsamkeit in seinem
Leben wurde hinweggefegt von der völligen Leere dieses verlassenen Ortes.
Umgeben von undurchdringlichem Grün starrte er auf die mächtigen  Mauern,
die den Krieg gegen die übermächtige Natur schon lange verloren haben zu scheinen.
Fest verankert zwischen Holz und Stein winden sich Sträucher und Ranken,
klettern an ihnen empor, umspinnen Terrassen und Balkone mit dichtem Blattwerk,
nehmen den Fenstern jedes Licht, lasten auf Balken und Dach.
Langsam setzt er einen Fuß vor den anderen, der Eingangstür entgegen.
Die Widerspenstigkeit des an der Tür anhaftendem Bewuchses verletzen seine Hände und
geben nur langsam das Schloss frei.
Erst der dritte Schlüssel bewegt das Schloss und gibt eröffnete den Blick in Innere.
Ein großer Flur mit einer imposanten Treppe in dessen Mitte, weit der Blick rechts und links
von ihr in die Tiefe reicht, ein Staubschleier nichts weiter erkennen lässt.

Wie lange mag dieses Gebäude wohl schon leer stehen, fragte er sich
und begann sich umzuschauen. Alle Türen hier unten standen offen, es der Mittelpunkt des
Hauses und deren Bewohner wohl war. Das ganze Mobiliar war scheinbar vorhanden,
nichts schien wirklich zu fehlen, jeder Platz, ob Boden oder Wand war gefüllt,
der Leere entbunden.

Die schweren Hölzer der Treppe schwiegen unter seinen Tritten nach oben,
sie windete sich wie eine Schlange an den Mauern entlang,
ihr Ende in der oberen Mitte in ein Atrium mündete, überdacht von einer Glaskuppel.
Von hier aus gingen zahlreiche Türen ab, im Gegensatz zum Erdgeschoss
aber alle verschlossen waren.

Eine Tür nach der anderen öffnete er, nahm Platz auf Stuhl und Bett,
verweilte eine Ewigkeit in jeden Raum, versank im Gedanken nach den ehemaligen
Bewohnern und ihr Leben in diesen Wänden.

Jedes Zimmer schien ein Leben erzählen zu wollen,
hinter jeder Tür eine andere Geschichte nur darauf wartet, erhört zu werden.
Bis tief in die Nacht gab er sich dessen hin, ließ tief vergessen,
was ihm zum Außenseiter gemacht,  spürte Freud und Leid, nahm teil am Leben anderer,
entzog sie der Vergessenheit, füllte das Haus wieder mit Leben,
führte es mit jedem Schlüssel aus der Einsamkeit heraus.  



 
 
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