EFFLUVIUM
WELCOME II:
Studio Performance with Clark’s Uranograph
KURE:
A lost soul stands alone on the cliffs, gazing out at the endless ocean. Before him, the day is dying. It is the hour of Kure – the moment when the light fades and darkness slowly swallows the world. In his hands, he holds an inherited hourglass, watching the silent falling of the grains. Each grain is a year lived, a lost dream, a step closer to the edge of existence. Nature holds its breath. An absolute, almost eerie silence prevails. In this stillness, the great, tormenting question nests in his mind: What will it be like when the last grain falls, when the light finally goes out? Does the end come as a redeeming peace or as a cold emptiness? The air changes; the silence becomes heavy, almost tangible. It is not a sound heard with the ears, but a deep, heavy pulsing that rests like an invisible fist upon his chest. A dull, cold beat begins to strike in the depths of existence – unnatural, rigid, and entirely detached from the rhythm of nature. With each of these merciless strikes, a deep trepidation creeps up within the man. The darkness on the horizon no longer seems merely to fall; it seems to reach out for him, synchronous with this bleak, inner throbbing. It feels as though the remaining lifetime is being physically squeezed out of the world with every rhythmic thud. The atmosphere is oppressive, claustrophobic, and menacing. The surrounding nature suddenly appears rigid and cold, as if all living things have drained from it. The children of the sea, too, crash more wildly against the rocks, driven by the invisible beat that seems to dominate everything. The old man clings to what is left to him as the final remnants of movement within the hourglass slip away. The twilight draws to a close; the black darkness takes over.
Should this translation be used for spoken narration or as written programme notes? I can adjust the rhythm and word choice to better suit a theatrical performance or a printed text if needed.
FILARET:
From the summit of sacred power into the deepest ecclesiastical abyss: the life of Mykhailo Denysenko, known as Patriarch Filaret, was a monumental struggle between an absolute claim to power and total damnation. For decades, as a powerful Metropolitan, he steered the destiny of the Russian Orthodox Church alongside the Soviet state apparatus. Yet, when the Soviet Union collapsed and he was denied the crown of the Moscow Patriarch, he broke with his own past. He chose the radical path of schism and became the architect of an independent Ukrainian church. In 1997, Moscow punished the defector with the harshest verdict in Orthodoxy: the anathema – the solemn, eternal excommunication. A ritual back-and-forth between sacred grandeur and the coldness of isolation, set against the Orthodox chants of the very church that first crowned him, then cursed him, and whose history he has torn apart forever. A monument to a man who, to some, was a holy liberator, and to others, a cursed schismatic.
EREBUS:
The final step echoes into the unborn. The coldness that envelops you here is not physical – it is entirely liberated from light and time. You feel the breathing of a primeval darkness, flowing around your consciousness like heavy, dark silk until every familiar boundary dissolves. The veil that surrounds you will fall from your body, decaying into withered leaves, only to touch the bottomless abyss as dust. A faceless dread crawls through the endless void, heavy and oppressive. The nothingness hungrily sucks at your existence, breaks your pride, and peels the naked terror from your soul. Your eye goes blind in the absolute, unable to grasp the lurking depth. Yet this is no place of dying, but the moment in which the spirit speaks to you, a hollow, ancient voice echoing directly within your bones, demanding of you, and finally fading into timeless lingering. You are now part of the nothingness that existed before the first word. When the last sound of the earth fades, I shall step to your side. No hand, yet a touch. No fire, yet a cleansing. I do not take you from yourself, only that which weighed you down. I deliver you from darkness and guilt, like dust permeated by light. Cleansed of all evil, you step across the threshold, light as a first thought. The eternal ship welcomes you not as a stranger, but as one returning home into the vastness. For what you are at your core was never lost, only veiled.
WELCOME II:
Studio Performance mit dem Uranograph von Clark,
KURE:
Eine verlorene Seele steht allein auf den Klippen und blickt auf den endlosen Ozean. Vor ihm stirbt der Tag. Es ist die Stunde von Kure – der Moment, in dem das Licht vergeht und die Dunkelheit die Welt langsam verschlingt. In seinen Händen hält er eine geerbte Sanduhr und schaut dem lautlosen Fallen der Körner zu. Jedes Korn ist ein gelebtes Jahr, ein verlorener Traum, ein Schritt näher an die Kante des Seins. Die Natur hält den Atem an. Es herrscht eine absolute, fast unheimliche Stille. In dieser Stille nistet sich die große, quälende Frage in seinen Verstand ein: Wie wird es sein, wenn das letzte Korn fällt, wenn das Licht endgültig erlischt? Kommt das Ende als erlösender Frieden oder als kalte Leere? Die Luft verändert sich, die Stille wird schwer, fast greifbar. Es ist kein Geräusch, das man mit den Ohren hört, sondern ein tiefes, schweres Pulsieren, das sich wie eine unsichtbare Faust auf seine Brust legt. Ein dumpfer, kalter Takt beginnt in der Tiefe der Existenz zu schlagen – unnatürlich, starr und völlig losgelöst vom Rhythmus der Natur. Mit jedem dieser unbarmherzigen Schläge kriecht eine tiefe Beklemmung in den Mann empor. Die Dunkelheit am Horizont scheint nicht mehr nur zu fallen, sie scheint nach ihm zu greifen, synchron mit diesem düsteren, inneren Pochen. Es fühlt sich an, als würde die verbleibende Lebenszeit mit jedem rhythmischen Stoß regelrecht aus der Welt gepresst. Die Atmosphäre ist beklemmend, eng und bedrohlich. Die Natur ringsum wirkt plötzlich starr und kalt, als wäre alles Lebendige aus ihr gewichen. Auch des Meeres Kinder schlagen wilder gegen die Felsen, getrieben von dem unsichtbaren Takt, der alles zu dominieren scheint. Der alte Mann klammert sich an das, was ihm geblieben, der letzte Rest von Bewegung in der Sanduhr verrinnt. Die Dämmerung geht dem Ende entgegen, die schwarze Dunkelheit übernimmt.
FILARET:
Vom Gipfel der sakralen Macht in den tiefsten kirchenpolitischen Abgrund: Das Leben von Mychajlo Denysenko, bekannt als Patriarch Filaret, war ein monumentaler Kampf zwischen absolutem Herrschaftsanspruch und totaler Verdammnis. Jahrzehntelang lenkte er als mächtiger Metropolit die Geschicke der Russisch-Orthodoxen Kirche an der Seite des sowjetischen Staatsapparats. Doch als die Sowjetunion zerfiel und ihm die Krone des Moskauer Patriarchen verwehrt blieb, brach er mit seiner eigenen Vergangenheit. Er wählte den radikalen Weg der Abspaltung und wurde zum Architekten einer unabhängigen ukrainischen Kirche. Moskau strafte den Abtrünnigen im Jahr 1997 mit dem härtesten Urteil der Orthodoxie: dem Anathem – dem feierlichen, ewigen Kirchenbann. Ein rituelles Hin und Her zwischen sakraler Erhabenheit und der Kälte der Isolation, hinter den orthodoxen Gesängen jener Kirche, die ihn erst krönte, dann verfluchte, und deren Geschichte er für immer zerrissen hat. Ein Monument für einen Mann, der für die einen ein heiliger Befreier und für die anderen ein verfluchter Spalter war.
EREBUS:
Der letzte Schritt verhallt im Ungeborenen. Die Kälte, die jenem hier umfängt, ist nicht physisch – sie ist gänzlich befreit von Licht und Zeit. Du spürst das Atmen einer urzeitlichen Finsternis, die dein Bewusstsein wie schwere, dunkle Seide umfließt, bis sich jede vertraute Grenze auflöst. Vom Leibe fallen wird der Schleier, der dich umgibt, in welkes Laub zerfallen, um erst als Staub den bodenlosen Abgrund zu berühren. Ein Grauen ohne Gesicht kriecht durch die endlose Leere, schwer und erdrückend. Das Nichts saugt gierig an deiner Existenz, bricht deinen Stolz und schält das nackte Entsetzen aus deiner Seele. Dein Auge erblindet im Absoluten, unfähig, die lauernde Tiefe zu fassen. Doch dies ist kein Ort des Sterbens, sondern der Moment, in dem der Geist zu dir spricht, eine hohle, uralte Stimme, die direkt in deinen Knochen widerhallt, dich fordert und schließlich im raumlosen Verweilen verklingt. Du bist nun Teil des Nichts, das vor dem ersten Wort existierte. Wenn der letzte Klang der Erde verklingt, trete ich an deiner Seite. Keine Hand und doch Berührung. Kein Feuer und doch Reinigung. Ich nehme dir nicht dich selbst, nur das, was dich beschwerte. Ich erlöse dich von Dunkelheit und Schuld, wie Staub, der von Licht durchdrungen wird. Gereinigt von allem Übel, trittst du über die Schwelle, leicht wie ein erster Gedanke. Das ewige Schiff empfängt dich nicht als Fremden, sondern als Heimkehrenden ins Weite. Denn was du im Kern bist, war nie verloren, nur verhüllt.